PERFEKT. Wer hat das eigentlich beschlossen?

Veröffentlicht am 16. September 2026 um 15:44

PERFEKT.

Wer hat das eigentlich beschlossen?

„Du musst nicht perfekt sein, um großartig zu sein.“

Klingt schön.

Aber vielleicht liegt das Problem schon im Wort perfekt.

Wir haben Angst, etwas nicht zu schaffen. Eine Prüfung. Einen Job. Eine Beziehung. Den Alltag. Die Kinder. Den eigenen Anspruch. Dieses ominöse „Leben im Griff haben“, von dem offenbar alle reden.

Und wenn wir etwas nicht schaffen?

Dann fühlen wir uns schnell, als hätten wir versagt.

Aber wovor haben wir eigentlich solche Angst?

Dass jemand merkt, dass wir nicht perfekt sind?

Überraschung: Sind wir nicht.

Und jetzt wird’s interessant:

Wer hat eigentlich festgelegt, was perfekt ist?

Wer hat entschieden, wie eine perfekte Mutter aussieht? Wie erfolgreich man mit 30, 40 oder 50 sein sollte? Wie der perfekte Körper aussieht? Wie ordentlich die Wohnung sein muss? Wie gelassen wir auf Stress reagieren sollten?

Und gibt es irgendwo eine geheime Jury, die abends unsere Punkte zusammenzählt?

Falls ja, würde ich gerne Einspruch einlegen.

Denn mich hat nie jemand gefragt, was perfekt eigentlich sein soll.

Wir vergleichen uns mit anderen, zweifeln an uns, versuchen mitzuhalten und übersehen dabei etwas ziemlich Entscheidendes:

Wir sind überhaupt nicht gleich.

Der eine braucht Sicherheit. Der andere Freiheit. Einer plant jeden Schritt. Der nächste findet seinen Weg erst, nachdem er sich dreimal verlaufen hat.

Vielleicht müssen wir deshalb nicht einmal „auf unsere eigene Art perfekt“ sein.

Vielleicht dürfen wir einfach auf unsere eigene Art wir selbst sein.

Mit Dingen, die wir können.

Mit Dingen, die wir grandios versemmeln.

Mit Umwegen, schlechten Tagen, falschen Entscheidungen und Momenten, in denen wir keine Ahnung haben, was wir da eigentlich tun.

Und vielleicht ist genau das viel großartiger als perfekt.

Denn wenn niemand von uns gleich ist …

wie kann es dann überhaupt nur eine richtige Version von perfekt geben?

Ich weiß es nicht.

Aber falls irgendwann noch einmal darüber abgestimmt wird:

Ich wäre diesmal gerne dabei.
Beim letzten Mal hat mich nämlich keiner gefragt.

Und bis dahin bleibt vielleicht nur eine ehrliche Frage:

Wessen Vorstellung von perfekt versuchst du eigentlich zu erfüllen?

Ein ZwischenGedanke von J. Rached
ZwischenRaum – Die Kolumne zwischen den Antworten.

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Kommentare

Elke Gerigk
Vor 10 Tage

Eigentlich unsere Gesellschaft oder vom Elternhaus so erzogen, das man perfekt sein sollte.Ich bin 67 Jahre und möchte gar nicht perfekt sein,denn durch Fehler lernt man.Ein sehr Intressanter Atikel,da sollte man sich Gedanken mal drüber machen.L..G